Wenn Häuser modernisiert werden sollen………,

ist es oftmals der Wunsch der Bauherren die Räume zu vergrößern, bzw. Grundrisse zu verändern. Tragende Wände sind dann durch z.B. Stahlträger zu ersetzen. Die Deckenlast wird in diesem Fall nicht mehr von der abgetragenen Wand aufgenommen, sondern von der eingesetzten Stahlkonstruktion.

Vorher/Nachher Beispiel einer Wohnraumvergrößerung

BauherrenInnen Wissen #1

Stahlträger

Tragende Wände, (Stahl-)Stürze, Türen & Fenster rückbauen oder erweitern

Ein Großteil der Modernisierungsarbeiten an Häusern und Gebäuden fällt Raumerweiterungen zu. Zwei oder mehrere Räume zu einem großzügigeren auszubauen oder Türen und Fenster für mehr Atmosphäre zu erweitern sind häufig formulierte Wünsche und Aufgaben. Vor dem Start eines Modernisierungsprojektes muss die Statik und die Stabilität des Gebäudes geprüft und während der Baumaßnahmen stets gewährleistet sein. Das Wortgebilde, welches bei BauherrenInnen dann immer großen Respekt erfährt, ist die „tragende Wand“.

Wand ist nicht gleich Wand

Außenwände stützen in der Regel immer das Haus und auch im Innern einer Immobilie gibt es Wände, die für die Gesamtstabilität eines Bauwerkes verantwortlich sind. Das sind die sogenannten „tragenden Wände“. Nichttragende Wände wie Raumteiler aus Gipskarton mit Ständerbauwerken können nach Gusto um- bzw. rückgebaut werden. Für die Statik eines Gebäudes sind
Trockenbauwände nicht relevant. Diese lassen sich mit einem klopfenden Finger schnell ausfindig machen. Hohlklingende Klopfzeichen sind ein deutlicher Hinweis, dass kein Mauerwerk hinterm Putz oder der Tapete ruht. Leitungen (Strom, Telefon, TV etc.) sind häufiger in den Hohlwänden verlegt. Für diese muss ggf. eine neue Verlegung eingeplant werden. Der Statiker hat bei tragenden Wänden auch zu prüfen, ob Versorgungsleitungen im Mauerwerk vorhanden sind. Ist dies der Fall, wird das Bauvorhaben eine Sache für den Profi. An Gas-, Wasser- und Stromleitungen hat sorgfältiges und fachmännisches Arbeiten oberste Priorität.

Ab den 1990er Jahren muss das Mauerwerk (ohne Putz oder Vertäfelung) einer tragenden Wand mindestens 11,5 cm stark sein, Gebäude die vor 1970 entstanden sind, können über schmalere Tragwände verfügen. Misst eine Wand über 17 cm in ihrer Stärke, kann von einer tragenden Eigenschaft ausgegangen werden.

Nie ohne Statiker

Bevor man sich mit Hammer und Meißel am Mauerwerk zu schaffen macht, gilt es den Profi zu Rate zu ziehen. Mit allen Plänen des Hauses und den Unterlagen der anstehenden Vorhaben sollte ein Statiker über das Vorhaben in Kenntnis gesetzt werden. Er kann sicher beurteilen, welche Stützmaßnahmen erforderlich sind, ob und welche Stürze gesetzt werden sollen und vieles mehr. Der Rat des Fachmannes für Gebäudestabilität schützt vor Problemen während der Bauphase und vor Folgeschäden. Die kommunalen Baubehörden archivieren übrigens alle Baupläne, so dass dort immer ein Bauplanexemplar eingesehen oder sogar kopiert werden kann, sollte dieser einem nicht zur Verfügung stehen.

Zuerst stützen

Soll eine tragende Wand weichen, ist die erste Handlung das Anzeichnen des gewünschten Durchbruchs, dann gilt es, das Gebäude an den richtigen Stellen mit den richtigen Mitteln zu stabilisieren. Eine Angelegenheit für Profis, denn nur Fachleuten sollte man das Arbeitsergebnis des Statikers umsetzen lassen. Gestützt werden muss ja der gesamte Aufbau der (noch) tragenden Wand. Das können weitere Stockwerke und der Dachstuhl sein. Die Prüfung, ob und wo Versorgungsleitungen in der Wand verlegt sind ist zudem Aufgabe des Statikers.

Bauunternehmer und Statiker arbeiten oft zusammen und das ist gut so. Denn ausschließlich eine professionelle Umsetzung der Empfehlung des Statikers verhindert Schäden am Gebäude. Mit mächtigen Kanthölzern und Stahlstützen wird das Bauwerk nach den Vorgaben stabilisiert und ein Senken verhindert. Die Platzierung der Stützen folgt streng der Empfehlung des Statikers. Haben die Stützen ihre Position, müssen diese anschließend in Spannung gebracht werden. Tragende Innenwände werden von zwei Seiten gestützt, bei Außenwänden genügt in der Regel eine einseitige Stützung.

Tragende Rolle: Der Sturz

Eine tragende Wand kann nur weichen, wenn die Deckenlast später gestützt bleibt. Das Mittel der Wahl ist der Sturz. Üblich und fachlich korrekt werden Doppel-T-Träger (aus Stahl) gesetzt. Diese gibt es in verschiedenen Ausführungen (HEA = geringe Tragfähigkeit, HEB = mittlere Tragfähigkeit, HEM = höchste Tragfähigkeit) und Dimensionen. Den richten Sturz in der richtigen Dimension und den richtigen Mörtel formuliert das Gutachten des Statikers und diesen Vorgaben ist unbedingt Folge zu leisten. Stürze gibt es sogar als Gebrauchtware, diese können bedenkenlos verwendet werden, sind schwer und meist umständlich zu transportieren. Beispiel: ein 240er HEB drückt mit rund 83 Kilo pro laufenden Meter gen Erdmittelpunkt, bei 2,5 m Länge sind das stolze 207 kg. (Es gibt wahrlich handlichere Bauelemente)

Ob eine Firma den Sturz setzten soll oder man sich selbst versucht, bleibt eine individuelle Entscheidung. Nur muss die Aufgabe korrekt ausgeführt werden. Schon allein – je nach geforderter Dimension des Sturzes – wird es mächtig schwierig, den schweren Träger zur Baustelle im Haus zu bringen. Häufig wird der Weg über ein Fenster gewählt, dessen Rahmen vorher jedoch vor Beschädigung geschützt werden muss. Zum Schluss steht noch der Kraftakt an, das gute Eisenstück in die Höhe zu hieven und perfekt zu platzieren.

Soll ein Sturz gesetzt werden folgen diese Arbeitsschritte

  • Stützen fachgerecht setzen
  • Durchbruch für den Sturz schaffen
  • Ein Gerüst zur Ablage des Sturzes vor dem Durchbruch aufstellen
  • frische Mörtelbetten anlegen
  • Den Sturz in Position bringen, ggf. mit Keilen ausrichten
  • Mörtelbetten aushärten lassen (kann einige Tage dauern)
  • Stahlträger, Fugen und Hohlräume mit Mörtel füllen
  • Stützen entfernen (nach ca. 1 Woche)
  • Gewünschte Wand durchbrechen oder entfernen
  • Kanten ziehen, verputzen, streichen etc.

Sehr gern werden neu gesetzte Stahlträger als Blickfang im Raum einfach nur lackiert, auf jeden Fall sollte der fachmännische Feuerschutz gegeben sein. Der Träger kann auch mit Gipskarton verkleidet werden, doch sollte vorher eine Rostschutzbehandlung erfolgen.

Ist die zu bearbeitende Wand stabilisiert, können als erstes mit Folie und Klebeband die verbleibenden Räume vor Staub und Schmutz geschützt werden. Arbeiten am Mauerwerk sind eine staubige Angelegenheit und es ist einfacher, vorher den Schmutz zu bändigen als danach zu schrubben. Günstig ist zudem, dass vor Arbeitsbeginn das erforderliche Werkzeug parat liegt, will man doch nicht wegen einer vergessenen Kleinigkeit die Arbeiten unterbrechen und wieder im Baumarkt in der Schlange stehen.

Kleine Bedarfsliste an Gerätschaften

  • Hammer und Meißel
  • Vorschlaghammer
  • Bohrhammer mit verschiedenen Meißeln
  • Winkelschleifer mit (mehreren) Trennscheiben
  • Schutzbrille
  • Handschuhe
  • Schaufel, Besen, stabiler Eimer
  • Bauschutt-Container
  • Gehörschutz
  • Atemschutz
  • ausreichend Getränke

Ist das Ziel, dass die ganze Wand fallen soll, darf gern großes Werkzeug verwendet werden. Erste Wahl ist ein Bohrhammer mit verschiedenen Meißeln. Das Fällen eines Mauerwerks mit einem Bohrhammer ist grob, laut, staubig, kräftefordernd und macht oft Spaß.

Menschen mit viel Geduld können sich auf die alte, ganz mechanische Weise mit Hammer und Meißel an der Wand zu schaffen machen. Dauert oft lange, fordert viel Ausdauer ist jedoch die mildeste Arbeitsweise fürs Bauwerk. Kniffliger wird es bei Schaffung eines Durchbruchs. Sind saubere Kanten gewünscht, sollten zuerst mit dem Winkelschleifer die Kanten von beiden Seiten so tief wie möglich eingeschnitten werden, um dann mit sanfter Gewalt die neue lichte Weite herauszuarbeiten. Gezügelter Krafteinsatz ist erforderlich, wenn die Steine des fallenden Mauerwerks später wieder Verwendung finden sollen. Für angrenzende Decken und Wände gilt, je schonender im Kantenbereich gearbeitet wird, desto geringer ist deren Beschädigungsrisiko. Risse entstehen gern durch zu starke Vibrationen.

Fliegen beim Arbeiten plötzlich Funken ist Vorsicht geboten! Fremdkörper, Metallarmierungen etc. können schon mal im Gewerk stecken. Hier gilt es, vorsichtig ein Freilegen zu versuchen und anschließend mit geeignetem Werkzeug (HSS-Meisel, Trennscheibe für Stahl) weiter zu arbeiten. (NICHT AN LEITUNGEN!!!)

In Eigenregie oder vom Fachmann

Von der technischen Seite her ist ein Mauerdurchbruch oder eine Wandbeseitigung nicht allzu kompliziert. So manch versierte Heimwerker ist in der Lage diese Aufgaben erfolgreich zu erledigen. Doch allein mit viel Arbeitseinsatz ist es nicht getan. Wer in „Selbst ist der Mann Manier“ loslegen will, braucht entsprechendes Werkzeug und Kenntnisse. Die Frage, ob man sich für die anstehenden Arbeiten alle erforderlichen Gerätschaften kauft oder mietet ist sicherlich genauso spannend und abzuwägen, wie umfangreich es ist, sich alle entsprechenden Kenntnisse anzueignen.

Handwerksunternehmen wissen, dass bei Bauvorhaben immer die Kosten im Fokus stehen und Eigenleistungen sparen helfen. Eine Lösung ist oft: zusammen ans Werk. Fachunternehmen und BauherrenInnen haben die Möglichkeit bei der Projektbesprechung gemeinsam Aufgaben festzulegen, von denen beide Seite letztlich profitieren.

Die Kosten

Die Kosten für den Statiker sind unabdingbar und Projekt abhängig. Die Spanne reicht von wenigen hundert Euro bis hin in einen stattlichen vierstelligen Bereich. Ein erfahrener Statiker kann beim Blick auf die mitgebrachten Unterlagen die Kostenregion für dieses Projekt eingrenzen.

Mit dem Arbeitsergebnis des Statikers gibt es nun die Möglichkeit bei (hiesigen) Bauunternehmungen Angebote einzuholen. Es ist in Ordnung und im Sinne einer Marktwirtschaft sich für ein Bauvorhaben bei mehreren Unternehmen Angebote einzuholen. Übers Internet und lokale Medien lassen sich ansässige Firmen schnell finden. Während der Angebotserstellung kommt man mit den Unternehmen in Kontakt und kann sich ein eigenes Bild über die ggf. künftige Kooperationspartner machen.

Zu den beruflichen Anforderungen einer Bauunternehmung zählt das Erstellen eines qualifizierten Kostenvoranschlages. Je detaillierter dieser ausfällt, desto greifbarer/verständlicher wird er. Folgende Posten sollten auf jeden Fall aufgeführt sein:

  • Vorbereitung/Einrichten der Baustelle
  • Materialkosten
  • erforderliche Werkzeugkosten
  • Arbeitszeiten aufgeschlüsselt
  • Entsorgungskosten
  • Projektbeginn/Projektende

Solch fachmännisch angefertigte Kostenvoranschläge lassen sich gut vergleichen. Hat man schließlich „sein“ Handwerksunternehmen gefunden, können weitere Punkte wie das Einbringen von Eigenleistungen, eventuelle Verzögerungen etc. vor finaler Auftragsvergabe geklärt werden.

Zum Schluss einige Orientierungspunkte für künftige BauherrenInnen oder ModernisierInnen. Eigene Unsicherheiten beim Realisieren solcher Bauvorhaben verlangen nach einem fachkundigen Unternehmen. Spielen Versorgungsleitungen und deren neuer Verlauf eine Rolle, sollte dies besser der Fachmann machen. Baufachleute haben das richtige Werkzeug und ein hohes Maß an Erfahrung, so dass die Wahrscheinlichkeit an Folgeschäden gering bleibt. Und niemand will sich zweimal mit derselben Baustelle beschäftigen, oder?!

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